Durch das Wadi Draa nach dem großen Regen – Auf dem Weg in die Westsahara

Von Zagora nach Assa: Das Wadi Draa am Limit

Nachdem wir Zagora hinter uns gelassen hatten, steuerten wir über Assa in das Wadi Draa. Der Draa ist der längste Fluss Marokkos, führt aber meist nur im Frühjahr oder nach starken Niederschlägen Wasser. Wir waren offensichtlich die Ersten, die sich nach der letzten, heftigen Regenzeit auf diese Strecke wagten – und das haben wir zu spüren bekommen.

Wo normalerweise noch Pisten erahnbar sind, gab es schlichtweg nichts mehr. Das Wasser hatte die Landschaft komplett umgepflügt. Es wurde extrem grenzwertig: An einigen Passagen gab es für uns absolut kein Zurück mehr. Wir mussten mit dem Puch 230GE und Max‘ Toyota durch Abschnitte, in denen unsere Autos so starke Schräglagen erreichten, dass wir fast umgekippt wären. Das war echtes Offroad-Fahren am Limit und hat uns massiv Nerven gekostet.

Tan-Tan, Smara und das längste Förderband der Welt

Nach drei Tagen erreichten wir schließlich Tan-Tan. Von dort aus ging es weiter in die Westsahara nach Smara – übrigens die einzige Stadt in der Region, die nicht von den Spaniern, sondern von den Sahrauis selbst gegründet wurde.

Auf der Weiterfahrt nach Laayoune kreuzten wir ein fast surreales Stück Wüstenindustrie: das Bou-Craa-Förderband. Mit einer Länge von rund 100 Kilometern ist es das längste ununterbrochene Förderband der Welt und transportiert ununterbrochen Phosphatgestein aus der Wüste bis an die Küste. Das Bauwerk ist so gigantisch, dass man es sogar aus dem Weltall auf Satellitenbildern als helle Linie erkennen kann, da der feine Phosphatstaub die Umgebung weiß färbt.

Ankunft in Boujdour und der Blick an das (ehemalige) Ende der Welt

Heute sind wir in Boujdour angekommen und können unter dem berühmten Leuchtturm (Cap Bojador) endlich kurz durchatmen. Für uns ist es ein entspannter Zwischenstopp, doch für die europäischen Seefahrer im Mittelalter war genau hier buchstäblich die Welt zu Ende. Jahrhundertelang galt das Kap Bojador als unpassierbare Grenze. Starke Strömungen, Riffe und ständiger Nebel sorgten für so viele Schiffbrüche, dass man dahinter das „Meer der Finsternis“ mit kochendem Wasser und riesigen Seeungeheuern vermutete. Erst im Jahr 1434 segelte der Portugiese Gil Eanes erfolgreich um das Kap, zerstörte den Mythos und öffnete den Seeweg weiter in den Süden Afrikas. Wenn man heute auf die endlose Weite des Atlantiks schaut, wird einem diese Geschichte wieder richtig bewusst. Auch unsere Fahrzeuge haben die bisherigen Strapazen zum Glück gut überstanden.

Unsere Fahrzeuge haben die bisherigen Strapazen gut überstanden und morgen fahren wir weiter in Richtung Mauretanien. Wir werden voraussichtlich noch einen Stopp in der Nähe der Halbinsel von Ad Dakhla einlegen, bevor wir die mauretanischen Grenze ansteuern. Die Pisten der Westsahara haben uns fest im Griff, und wir sind gespannt, was die nächsten Kilometer bringen.

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