Das viel beschworene „Auge der Sahara“ – auf den Karten meist als Guelb er Richat zu finden – ist ein absolutes geologisches Phänomen mitten in Mauretanien. Mit seinen knapp 40 Kilometern Durchmesser ist dieses riesige, ringförmige Gebilde so gigantisch, dass man es in seiner vollen Pracht eigentlich nur aus dem Weltall erkennen kann. Lange Zeit dachte man, hier sei ein gewaltiger Meteorit eingeschlagen. Heute weiß man: Es ist ein sogenannter geologischer Dom. Das heißt, Magma hat die Erdkruste vor Millionen von Jahren von unten nach oben gedrückt, und Wind und Wetter haben die Gesteinsschichten dann nach und nach wie bei einer Zwiebel abgetragen. Wenn man als Overlander physisch hineinfährt, merkt man von dieser perfekten Kreisform am Boden erst mal gar nicht so viel – stattdessen wühlt man sich durch unzählige konzentrische Felsrücken und tiefe Sandtäler.
Der normale Zugang von Süden war aufgrund der extremen Regenfälle der letzten Wochen schlicht unpassierbar. Zur Einordnung: Hier hat es sieben Jahre lang keinen Tropfen geregnet, und jetzt kam alles auf einmal als Sturzregen runter. Entsprechend abgesoffen sind die Pisten. Wir haben uns davon aber nicht unterkriegen lassen und beschlossen, das Auge einfach zu umfahren. Feste Pisten gab es dafür nicht, wir sind weitestgehend querfeldein gefahren. Was passiert, wenn man dabei feuchten Untergrund erwischt, sieht dann so aus:



Gott sei Dank waren wir das nicht! Allerdings mussten wir auf dem Hin- und Rückweg ein Wadi (ein mittlerweile wieder trockenes Flussbett) durchqueren. Dabei blieb es auch uns nicht erspart, zu den Schaufeln zu greifen und unsere Autos mehrfach auszugraben.




Unser großes Ziel – im Auge der Sahara zu übernachten – haben wir trotzdem erreicht. Wir haben das Gebiet östlich umrundet und uns einfach von Norden her einen eigenen Zugang in den Ring gesucht. Weil die reguläre Südroute komplett unpassierbar war, hatten wir das ganze Gebiet für uns allein und fanden einen wunderschönen, absolut einsamen Übernachtungsplatz.


Am nächsten Morgen sind wir wieder nach Norden herausgefahren und über die westliche Flanke zurück auf die Piste Richtung Ouadane gestoßen. Hier bleiben wir jetzt noch eine Nacht im Camp „Chez Sahida“. Morgen geht es dann über die Sandpiste nach Chinguetti und weiter nach Atar. Dort steht die große Vorbereitung an: Tanken, Wasser fassen und Vorräte aufstocken für die nächste schwere Etappe – die 800 km lange Wüstenpiste von Tidjikja nach Nema.