Heitere Dorfparty mit bösem Ende

Samstag 7.1.

Wir sind immer noch in dem Urlaubscamp in Sengegal kurz vor der Grenze Gambias. Heute beschlossen wir (Maybrit, Odd und ich) abends nicht zu kochen, sondern in das Restaurant zum Abendessen zu gehen. Wir hatten den ganzen Nachmittag von dort schon Musik gehört, senegalesische Musik, und gerieten, als wir da waren, in ein Dorffest. Es muss so etwas ähnliches gewesen sein, wie unsere Ü-Parties. Hier feierten heute alle aus der Umgebung, die 1962  geboren sind, zusammen mit ihren Verwandten und Freunden, Geburtstag. Big Party! Wir saßen draußen am Tisch und aßen unser Dinner und alle, die noch zur Geburtsparty kamen und uns sahen, begrüßten uns und luden uns ein, mitzumachen. Es war eine Heiter- und Freundlichkeit, von der wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden können!

https://youtu.be/Q2SJdov8PV0

Wir sind nach dem Essen noch sitzen geblieben und haben noch ein bisschen Smalltalk mit den Gästen gehalten, Maybrit hat auch mal mitgetanzt.

https://youtu.be/dY2n_vVTJ0I

Man hat uns für den anderen Tag wieder eingeladen, weil dann die Party weitergeht, von morgens bis abends. Interessanterweise so gut wie ohne Alkohol! Wir haben nur ganz vereinzelt gesehen, dass jemand mal eine Flasche Bier auf dem Tisch oder in der Hand hielt. Die ausgelassene Stimmung, ohne Alkohol, ist in den Videos gut zu erkennen. 

Gegen 10 Uhr, die Party neigte sich dem Ende, sind wir zu unseren Autos zurückgegangen. Maybrit ist in ihr Auto gegangen. Odd und ich haben noch ein Stündchen mit einem Bier aufs Meer geschaut und philosophiert. Dann ist Odd auch zum Schlafen in sein Auto gegangen. Ich musste noch zur Toilette, wollte aber nicht die Toilette vom Camp benutzen, weil die sonst schon gewöhnungsbedürftigen Toiletten durch die vielen Partygäste wohl endgültig niedergemacht worden sind. Ich beschloss einen Spatengang am Strand zu machen.

Auf dem Weg rief Carola, dass jemand um ihr Auto sei. Sie ist allein mit ihren 4 Kindern (4 bis 14 Jahre alt) unterwegs und steht auch mit ihrem Camper bei uns auf dem Platz – ca 15 m von unseren Autos entfernt. Ich ging zu ihr, sie erzählte mir, was sie gesehen hatte. Ich zurück zu meinem Auto und holte eine starke Taschenlampe und leuchtete die Gegend ab und wir sahen wie jemand weglief. Wir holten den Patron vom Camp und erzählten ihm alles. Machen konnte er natürlich auch nichts mehr.

Ich machte meinen Spatengang und als ich wieder im Auto war, sah ich wie immer automatisch in das Fach für meine Dokumente und oh Schreck, es war leer! Totaler Schock, alle meine Dokumente (Reisepass, nationaler und internationaler Führerschein, KFZ-Schein, Kreditkarte und ca. 150€) waren weg! Ich bin wieder zu Carola und wir haben dann den Patron geholt. Oft ist es so, dass ein Dieb eine Tasche oder Geldbörse klaut, das Geld herausnimmt und die Tasche mit den Dokumenten wegwirft. Mit dieser Hoffnung haben wir Kilometerweit in der Nacht bis 3 Uhr mit mehreren Leuten mit Lampen den Strand auf und ab gesucht.

Erfolglos! In der restlichen Nacht habe ich extrem schlecht geschlafen.

Am anderen Tag (Sonntag) haben wir dann noch mehrfach bei hellem den Strand und die Seitenwege abgesucht, ob wir nicht doch noch die Papiere finden. Der Patron hat im Ort Bescheid gesagt, dass man mir die Dokumente gestohlen hat und der Pastor hat während der Messe verkündet, dass wenn jemand die Papiere findet, dass man die im Camp abgeben soll. Hier ist eine christliche Region.

Es hatte sich bis zum Nachmittag keiner gemeldet und wir haben dann das Suchen aufgegeben und ich habe angefangen zu überlegen, was nun zu tun ist. Auf der Webseite der deutschen Botschaft in Dakar (Senegal) stand, dass man auf jeden Fall zuerst eine Anzeige bei der Polizei machen muss, um einen neuen Pass zu bekommen. Melanie (meine Tochter) hat sich auch schon mal aufgemacht, um beim Straßenverkehrsamt Ersatzpapiere (Führerschein, KFZ-Schein) zu besorgen – geht leider nicht. Alternativ habe ich überlegt, die Reise abzubrechen oder von Dakar nach Hause zu fliegen und vor Ort selber alles zu regeln … alles absoluter Mist.

Ich entschied mich für die Variante hier mit der Botschaft alles zu regeln, das heißt mehrfach nach Dakar zu  fahren – 120 km ein Weg und grausamster Verkehr. Aber vorher musste ich ja die Anzeige bei der hiesigen Polizei machen, das hatte ich mir für Montag vorgenommen.

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